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Thursday, January 18, 2007

Das ILP Seminar in San Francisco


Folgendes Interview über den Besuch des ILP Seminars in San Francisco wurde in der vierten Ausgabe des Magazins "integrale Perspektiven" veröffentlicht:


Eindrücke vom Integral Life Practice Seminar in San Franciso
Ein Interview mit Dennis Wittrock:


F: Du warst im April dieses Jahres zusammen mit deiner Freundin Stefanie in San Franciso auf einem Seminar des Integral Institute mit dem Thema „Integral Life Practice“. Jeder der an so etwas wie ILP interessiert ist würde sicherlich gerne erfahren, was ihr dort erlebt habt. Mir geht es zumindest so. Also, du kannst ja einfach mal anfangen zu erzählen, was bei euch, bzw. dir hängen geblieben ist und von dort aus können wir versuchen uns ein Bild von dieser Zeit zu machen, okay?

Huy, Clint und Nicole (v.l.)

D: Klingt gut. Mal sehen, ich glaub ich werde einfach mal mit den äußerlichen Eckdaten und dem Kontext beginnen. In der IP 03 stand ja bereits ein Bericht über unseren dreimonatigen Aufenthalt am I-I. Durch persönliche Kontakte zu den Mitarbeitern dort, insbesondere zu Nicole Fegley, hat es sich ergeben, dass wir stark vergünstigt an dem Seminar teilnehmen konnten. Zudem haben wir aus der Ferne via e-mail um drei Ecken bei einem - uns vollkommen unbekannten - Teilnehmer des Seminars eine kostenlose Unterkunft für fünf Tage organisieren können.

F: Irre, das klingt, als hättet ihr reichlich Glück gehabt!

Tim Boeve
D: Und wie – das Universum hat sich ganz reizend um uns gekümmert. Unser Gastgeber war ein evangelischer Priester, den eine gute Freundin einige Monate zuvor mit der Nase in diese integrale Sache, Ken Wilber und so, geschubst hatte. Es war schön mitzuverfolgen, wie dieses neue Bewusstsein ihn von Tag zu Tag mehr gepackt hat. Tim Boeve ist sein Name und er war überaus zuvorkommend und hilfsbereit. Am Ende der Woche hatte er richtig Feuer gefangen.

F: Okay, lass uns nun zu dem Seminar an sich kommen. Wo genau fand das statt, wie viele Teilnehmer waren dort, wer waren die Trainer, was habt ihr gemacht, usw.

das "IONS"
D: Das fand statt im IONS-Center (Institute for Noetic Sciences) in Petaluma, Kalifornien, etwas nördlich von San Francisco. Es waren insgesamt 42 Teilnehmer aus vielen Teilen der Welt angereist: aus Russland, Kuba, England, Australien und natürlich auch aus Deutschland. Die Trainer waren Diane Hamilton, Terry Patten, Huy Lam und Sofia Diaz. Das Seminar war auf fünf Tage angelegt, wobei man noch einen zusätzlichen Tag vorab mit einer theoretischen Einführung in das integrale Modell belegen konnte. Wir haben uns statt dessen ein wenig San Francisco angeschaut.

Diane Hamilton und Terry Patten

F: In fünf Tagen kann bestimmt eine ganze Menge geschehen. Vielleicht wäre es gut, wenn du mal so die wesentlichen Programmpunkte zusammenfassen könntest. Anschließend können wir dann ja mal schauen, was besonders interessant für dich und Stefanie war.

Wir

D: Gut, also es gab selbstverständlich zu jedem der vier großen Module (Body, Mind Spirit, Shadow) eine oder mehrere Einheiten mit Übungen. In der Einleitungssitzung wurde erst einmal der kulturelle Container für das Seminar geschaffen und die Spielregeln bekannt gegeben. Bemerkenswert fanden wir hier, dass die Trainer die ausländischen Gäste explizit auch um interkulturelles Feedback gebeten haben.

F: Was heißt das genau?

D: Naja, das I-I war sehr interessiert daran zu erfahren, welche Aspekte ihrer Arbeit im Seminar vielleicht aufgrund kultureller blinder Flecke bei den Ausländern irgendwie schräg, oder „typisch amerikanisch“ wirken. Zusätzlich gab es nach jedem Tag einen ausführlichen Feedback-Bogen zum Ausfüllen für jeden Teilnehmer, so dass die Trainer direkt auf die Bedürfnisse der Gruppe eingehen konnten.

F: Und die Übungen für die einzelnen Module? Was habt ihr da gemacht?

D: Im Wesentlichen haben wir die sogenannten „Gold Star Practices“ geübt, die auch in dem ILP-Starter-Kit vorgestellt werden, d.h. das 3-Körper-Workout (grobstofflich, subtil und kausal), den Big-Mind Prozess, den 3-2-1 Schatten-Prozess, das Focused Intensity Training (F.I.T.) die „Integral Inquiry“-Meditation, Erläuterungen zur ILP-Diät, sowie Übungen zu dem Zusatzmodul Ethik. Daneben gab es Anleitungen zur Gestaltung einer individuellen ILP Praxis, Tipps zum Umgang mit Widerständen auf dem Weg, Übungen zur „verkörperten Integration“, viel Arbeit in wechselnden Kleingruppen und auch eine Telefonkonferenz mit Ken Wilber.

F: Dazu könnte ich eine Menge fragen. Als erstes interessiert mich was mit den Übungen zur „verkörperten Integration“ gemeint ist. Wer hat das angeleitet und wie darf man sich das vorstellen?

Sofia Diaz
D: Das hat Sofia Diaz angeleitet und das ist für mich irgendwie am schwersten zu erklären, aber ich kann’s ja mal versuchen. Es ging auf alle Fälle um eine Art körperliches Begreifen, eben ein „Verkörpern“ bestimmter Aspekte, die ich persönlich zumindest wohl erst mal lieber auf der mentalen Ebene belassen würde. Das galt aber nicht. Wir sollten alle mal aufstehen von unseren Stühlen und dann wurde eine Anweisung gegeben, die etwa so ging: „Stelle dir vor du gehst mit nackten Füßen über eine Sommerwiese und spürst das frische Gras unter den Füßen – drücke dieses Gefühl mit deiner rechten Schulter aus, während deine Hüfte das Gefühl darstellt, das du bei deinem ersten Liebeskummer verspürt hast.“ – oder so ähnlich. Ich war natürlich völlig überfordert.

F: Und wie ging es dann weiter?

D: Dann habe ich mich mental mal ein wenig entspannt, mir selbst gesagt ‚Dennis, du musst nicht alles begreifen. Not knowing is nearest’ und mich halt nach Gefühl bewegt. Steffi könnte das Ganze bestimmt besser schildern, denn Sofia hat hier ein weibliches, nicht zu verkopfendes, sondern nur zu verkörperndes Element eingebracht, dass sich dem begrifflichen Denken kategorisch entzieht.

F: Den Big-Mind-Prozess hat bestimmt Diane Hamilton angeleitet. Was fällt dir dazu ein?

Diane, mal anders
D: Stimmt, also zunächst einmal fällt mir die überzeugende Persönlichkeit von Diane ein, sie ist witzig, ernst, unnachgiebig, flexibel, auch mal zerstreut und daneben, dann wieder glasklar und total intelligent. Im Big-Mind Prozess geht es ja bekanntlich darum, das Selbst in seine wichtigsten Teilaspekte oder Stimmen zu zerlegen und es dann wieder zusammen zu setzen. Nachdem man die egoischen Stimmen behandelt hat, kann man bei der Gruppe der transzendenten Stimmen gewisse Zustandserfahrungen – eben des eigenen Big Mind oder Big Heart – machen. Da hat Diane uns klasse hineingeführt, das ging ziemlich tief für meine Begriffe.

F: Du sprachst auch von Übungen zu Ethik. Wie darf ich mir das vorstellen?

D: In der Übung ging es darum in Kleingruppen von 3-4 Personen Situationen aus dem Alltag zu erinnern, bei denen man sich nach seinem eigenen Empfinden nicht ganz hundertprozentig verhalten hat. Wir wurden aufgefordert, diese Situation genau zu beschreiben, die Faktoren und Geisteshaltungen zu reflektieren, die dazu geführt haben, dem unmittelbaren Gefühl bei der Tat und den karmischen Nachwirkungen nachzuspüren.

Teilnehmer

F: Welchen Anlass hast du denn da gewählt, magst du das verraten?

D: Ich darf doch sehr bitten. Das werde ich bestimmt nicht in aller Öffentlichkeit tun. Ich sag nur soviel: dieser Manager von Microsoft, der zufällig auch in meiner Kleingruppe war hat bei dieser Angelegenheit großzügig beide Augen zugedrückt…

F: [lacht] Jaja, wir haben alle so unsere Leichen im Keller.

D: Ja, aber dabei sind wir nicht stehen geblieben. Wir haben sozusagen auch jeder noch mal „die Mutter Theresa aus dem Keller geholt“. Wir wurden nämlich danach gebeten eine für unser Empfinden positive ethische Tat in der selben Weise zu reflektieren,

F: Mhhm, verstehe. Das ist dann „feeling good by doing good“, wie Roger Walsh das mal auf einem Clip von Integral Naked ausgedrückt hat.

D: Genau, „sich durch gute Taten gut fühlen“ ist durchaus kein Widerspruch in sich. Wir hatten aber auf dem Seminar noch weitaus mehr Anlässe, um uns gut zu fühlen.

ILP-Party-Modul
F: Ja, das wollte ich dich fragen, was waren deine persönlichen Highlights bei diesem Seminar?

D: Das erinnert mich an den wunderschönen Sternenhimmel. Welches sind deine liebsten Sterne, Frank? Du verstehst, worauf ich hinaus will – es gab einfach so viele wunderbare Begegnungen mit wunderbaren integralen Menschen aus aller Welt, so viele kleine Situationen, in denen die große Gnade durchschimmerte im selben Raum mit diesen Menschen dieses Geschenk zu teilen. Und doch will ich mich bemühen einzelne Erlebnisse herauszugreifen und zu beschreiben.

Mitten in der Woche gab es gewisse Spannungen zwischen einem Teilnehmer und dem Trainer Terry Patten. Gegen Ende der Sitzung hat dieser Teilnehmer Kritik an der Äußerung geübt, dass die Annahme der Veranstalter sei, dass sie bei den Teilnehmern dieses Seminars davon ausgehen, dass sie alle automatisch mehr oder weniger einen integralen Bewusstseinsschwerpunkt mitbrächten. Es ging auf Mittag zu und Terry hat diese Kritik mehr oder weniger „abgewürgt“, so dass der Teilnehmer die Gruppe vorzeitig verließ und eine merkwürdige Spannung im Raum lag. Später wurde dann das Programm spontan umgestellt und Diane Hamilton, die auch eine Ausbildung in Konflikt-Mediation hat, hat dann ein Podiumsgespräch, eine Art offene Schattenarbeit zwischen den beiden moderiert. Am Ende konnten beide Akteure wirklich ihre Differenzen beilegen, was sehr berührend und tiefgehend war.

Podiumsdiskussion

F: Der 3-2-1 Prozess live on stage, sozusagen?

D: So ähnlich. Nicht so schematisch wie diese Übung und sehr, sehr menschlich. Das war auf alle Fälle eine starke Erfahrung für die ganze Gruppe.

F: Wenn du zurückblickst und dir auch deine gegenwärtige Praxis anschaust – was hat sich für dich verändert?

D: Also, auf alle Fälle war das Seminar eine Riesen-Inspiration und Motivation sich tiefer in die Praxis zu involvieren. So ganz viel hat sich allerdings nicht verändert, denn ich hatte meine individuelle ILP bereits schon mal auf einem Retreat mit iMove [junge integrale Initiative im IF] zusammengepuzzelt.

calling Ken

F: Wie sieht deine persönliche Praxis konkret aus?

D: Also für den Körper spiele ich auch weiterhin 2-3 mal die Woche Fußball auf Kreisliga-Niveau, mache einmal die Woche etwas Yoga und – seit San Francisco – 3-4 mal die Woche FIT push-ups, um meinen Oberkörper auch mal mehr zu fordern.
Geistig werde ich durchs Studium (Philosophie/Kunst/Anglistik) hinreichend gefordert, mit dem Lesen von Kens massiven Output nachzukommen ist ebenfalls eine Kunst. Zudem höre ich unterwegs viele (Dharma-) Talks via MP3-Stick und zieh mir auch das Zeug von Integral Naked rein. Ich mache hin und wieder Übersetzungen für das IF und auch die starke email Korrespondenz kann ich wohl als mentale Praxis werten. Ich plane und organisiere Seminare und Vorträge über integrale Themen mit meinen Freunden in Bremen und an der Uni Oldenburg.
In spiritueller Hinsicht bin ich im Zen zuhause, habe auch vor Ort die Möglichkeit mit meiner Lehrerin zu arbeiten. Ich meditiere nach Möglichkeit morgens und abends 25 Minuten, probiere viele Meditations-Techniken aus und versuche immer auch über den Tellerrand der Zen-Tradition zu schauen, so sehr ich sie schätze.

F: Und welche Praxis hast du für deinen psychodynamischen Schatten?

D: Ach ja, da war ja noch was – mein Schatten! [lacht] Den vergisst man ständig. Also, da halte ich’s ganz traditionell mit dem Tagebuch-Schreiben einmal pro Woche. Zusätzlich mache ich mit Steffi mittlerweile wieder regelmäßig sogenannte „Zwiegespräche“, also abwechselnd achtsames Sprechen und tiefes Zuhören im Beziehungskontext. Arbeit in Liebesbeziehungen ist wohl die Königsdisziplin der Schattenarbeit, aber es fiel uns in letzter Zeit schwer mit der Praxis gemeinsam verbindlich umzugehen.

F: Ja, Verbindlichkeit in Bezug auf die gesamte Integrale Lebens-Praxis ist wohl der Schlüssel zum Wachstum. Dennis, ich danke dir für dieses Gespräch.

D: Danke dir auch Frank, es war mir ein Vergnügen.

P.S.: Stanley Jordan, der berühmte Jazz-Musiker war auch Teilnehmer und hat sogar ein paar Stücke zum Besten gegeben

Friday, October 20, 2006

Fragment: Ryan und Emily

Mit Ryan und Emily haben wir ja bekanntermaßen eine Menge gemacht.

Deshalb hier jetzt ein paar bewegte Bilder von ihnen, wenn auch nur sehr kurz und fragmentarisch.



Saturday, July 08, 2006

61. Tag: Krishna Das LIVE

Krisna Das - Konzert in der Unity Church

Wir hatten bereits vor einigen Wochen Tickets für das Krishna Das-Konzert in der Unity Church besorgt. Die zwei Termine am Wochenende waren dann auch völlig ausverkauft. Gück gehabt. Krishna Das mag nicht so wahnsinnig populär sein- in Boulder jedoch gelten mal wieder andere Spielregeln.

Der Tag fing eigentlich nicht so gut an. Es regnete (eine Seltenheit in Boulder) und Steffi und ich hatten uns wegen irgendwas in den Haaren und kamen obendrein noch zu spät. Da saßen wir nun, beide ein wenig eingeschnappt – also in genau der richtigen Stimmung für ein wunderbares Kirtan-Event mit ausgeglichenen und fröhlichen Menschen, alle ach so spirituell unterwegs. Mal im Ernst: mir wäre lieber nach Death-Metal und Pogo zumute gewesen.



Krishna Das scherzt mit dem Publikum

Dann ging’s los. Krishna Das fing an zu erzählen, von seinem Lehrer in Indien, wie er immer diese doofen Mantras singen sollte, wie ihn sein Lehrer dann auch noch gegen seinen Willen zum Zeremonienmeister für derartige Gesänge gemacht hat, wie er eigentlich nach Indien gegangen war, um der abendländischen Welt zu entfliehen und ihm sein Lehrer dann nahe legte, mal die Bibel und Christus anzuschauen, wie sein Lehrer im eines Tages sogar gezeigt hat, wie Christus meditiert hat: bis ihm die Tränen des Mitgefühls und der Liebe in die Augen gestiegen sind, usw.

Stuart und Marci Davis haben ein Sprichwort in ihrer Familie. Das geht so: „Never trust a state!“ – Traue keinem Zustand! Marci (sinngemäß): „Manchmal kommt mir Stu vor wie der letzte Idiot, ein anderes Mal kann ich mir keinen besseren Mann vorstellen“. Also: NEVER TRUST A STATE!

Das gleiche galt dann auch für unseren kleinen Streit vor dem Konzert. It’s just a state. Genauso wenig, wie man gleichzeitig nüchtern und betrunken sein kann, genauso wenig kann man auf einem Krishna Das Konzert sein und miteinander eingeschnappt sein. Eine Welle von Bliss schwappte von der Bühne, füllte den gesamen Zuschauerraum und ertränkte alle Reste von Zweifel und mentalem BlaBla in seliger Stille. Das Ende von Lied war, das wir am Ende von allen Liedern, am Ende des Konzertes wieder vollkommen versöhnt waren und über unsere Selbst-Kontraktionen lachen mussten. Never trust an Ego.

60. Tag: Intermezzo (Fluch der Karibik, Too Many Puppies)

"Ist das WC endlich frei?"

Hier sehen wir Ryan VOR seiner Facelifting-OP – just kidding! Kurz bevor wir abends weggefahren sind hat sich Ryan diese alberne Maske aufgesetzt, um seinen Kumpel Kyle (im Bild rechts) nach dessen Badezimmerbesuch willkommen zu heißen. Stan (in der Tür) fands auch witzig.

Wilde Tiere im Office
Ebenfalls hysterisch und furchteinflößend war die Bestie, die Corey de Vos am Vormittag mit ins Office gebracht hat. Steffi musste um ihr Leben kämpfen!


Primus-Frizzle Fry
(P.S. „Too Many Puppies“ ist der Titel eines Songs von Primus, den mal wieder keiner kennt…)

Sunday, May 21, 2006

56. Tag: Kirtan im „Studio B“

Hare Rama Olive
Wer kennt sie nicht, die sympathischen Menschen in safranfarbenen Roben und mit kahlgeschorenen Köpfen (und Zöpfen), die im Pulk durch deutsche Innenstädte ziehen und ekstatisch „Hare Krishna, Hare Rama!“ singen. Mal im Ernst, haben wir uns nicht alle diesbezüglich schon mal verwundert oder verstört an den Kopf gefasst? Und außerdem: Warum zum Teufel isst Krishna ständig „Rama“ Margarine? Hatten die damals nicht vielmehr Yak-Butter, oder so was?

Szenenwechsel: Es ist der 56. Tag unserer Boulderreise. Unser Freund Ryan, der sich seit kurzem der ziemlich verwaisten local integral community von Boulder (alles andere, als das was man sich unter einem kulturellen „Epizentrum der integralen Bewegung“ vorstellen würde) angenommen hat, hatte uns alle via email-Verteiler zu einem Kirtan-Event im (Yoga) „Studio B“ eingeladen.

Kirtan 'n Roll!

Kirtan, das ist „devotional chanting“, zu deutsch: „hingabevolles Singen“, eine eigenständige religiöse Praxis im Hinduismus. Man singt traditionelle Gesänge und Mantren, die sich um Krishna und andere Gottheiten wie Ganesha und dergleichen drehen. Da saß ich nun also in dem vollgepackten Yoga-Studio zwischen 50-70 Leuten bei einem „Kirtan“. Dann ging’s ab: „Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna, Krishna, Hare, Hare, Hare Rama, Hare Rama, Hare, Hare…”

Bilder aus deutschen Innenstädten bevölkerten mein Bewusstsein. Bilder mit diesen merkwürdigen Freaks, die in einer Tour … - Hoppla, moment mal! - „Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna, Krishna, Hare, Hare, Hare Rama, Hare Rama, Hare, Hare…” sangen. Und ich mitten drin. Ich dachte an meine Eltern und musste innerlich lachen. They would hardly ever understand why this would be no contradiction to my secular-atheist upbringing for me. It’s the course of evolution, baby.

Sri Rama (ohne Olive) Die Gesänge wurden immer intensiver. Der Sänger sang die Strophe vor und das Publikum (ich inklusive) wiederholte. Ziemlich eingängig. Nach einiger Zeit drängte sich mir folgender Vergleich auf: Kirtan ist wie auf einem Rockkonzert zu sein. Der Sänger singt den Refrain der Hit-Single und 30.000 Menschen stimmen unisono ein. Nur die Eine Stimme singt noch. Die Trennung ist für einen Augenblick verschwunden, zumindest für den Refrain des Songs. Wir kennen das, machen wir uns nichts vor. Kirtan ist eben dieses Gefühl ausgedehnt auf zwei Stunden, oder wie lange der Event auch dauern mag. Es ist ungeheuer positiv, kraftvoll und öffnet mit erstaunlicher Präzision dein Herz. (Zumindest, wenn du dich der Erfahrung nicht verschließt oder es als lächerlich abtust.)

Wenn du singst, dann gibt es für diesen Moment nichts anderes zu tun. Dann bist du im Moment, anstrengungslos. Oh du süße Selbstvergessenheit. Für einen Augenblick keine kleinlichen Sorgen, nur sich in endlose Weiten ausdehnende Gegenwart.

Kirtan rocks!

Wednesday, April 26, 2006

What's next on this blog



Hallo Freunde,

wie ihr gemerkt habt, hatten Steffi und ich in der letzten Zeit wenig Gelegenheit, um den Blog zu aktualisieren. Zuerst waren wir in Utah, anschließend sind wir direkt nach San Francisco geflogen (zum ILP Seminar) und am Tag unserer Ankunft in Boulder gab es direkt gleich wieder einen Talk in Denver zwischen Father Thomas Keating und Ken. Gestern hatten wir unsere zweite Präsentation über die integrale Szene in Deutschland im I-I Office (die sehr gut gelaufen ist und mit Begeisterung aufgenommen wurde) und heute abend schmeißen wir eine Abschiedsfeier. Am Freitag (28. April) ist unser Rückflugtermin und am Samstag sind wir dann zurück in Deutschland.

Mein Plan ist, dass ich auch noch den Rest unserer Erlebnisse blogtechnisch verarbeiten werde - allerdings wird das noch etwas dauern. Ich bitte daher um etwas Geduld.

Wir freuen uns riesig, dass wir unsere Erlebnisse mit euch teilen konnten und hoffen, dass wir den intgralen Spirit aus Boulder für euch lebendig machen konnten. Den Grad eures Interesses konnten wir täglich an dem Counter ablesen.

stay tuned!

herzliche Grüße,

Dennis
und Stefanie

Sunday, April 16, 2006

54. Tag: Hunting Sandwiches

Vorspiel: Nach Haareraufen war uns zumute, weil wir online einen Flug nach San Francisco buchen wollten, was aber über mehrere Stunden nicht so recht klappte. Innerhalb von zwei Stunden war der Flugpreis um 100 Dollar gestiegen. (!) Zum Haareraufen!

Haareraufen


„It’s Sandwich-time!“

Alles begann ganz harmlos mit einer weiteren Meditation-Night bei Em und Rob. Als gegen Ende die Hälfte der Teilnehmer gegangen war machte Rob eine Ankündigung der besonderen Art: „It’s Sandwich-time!“ Binnen Sekunden hatte er alle Anwesenden Männer derart in ihrem Jagdinstinkt gekitzelt, dass wir uns schließlich – die Frauen zuücklassend- begeistert auf unsere Mission machten: besorge einen Haufen Sandwiches an einem Freitag Abend um 1.30h nachts. Wir sprangen alle zu Ballard ins Auto und brausten durch die Nachbarorte, bis wir schließlich bei einem Laden fündig wurden. Um die Ecke gab es dann auch noch einen Donut-Laden mit eklig fettigen Schmalzkringeln mit Schokoüberzug, denn schließlich hatten wir dem holden Geschlecht ja versprochen Schokolade mitzubringen.

Um die Frauen von unserem Jadgerfolg auch zu überzeugen kurvten wir dann widerum eine ganze Zeit durch die Gegend und klapperten die Supermärkte ab, bis wir dann bei King Scoopers auf unserer Suche nach einem Jagdgerät fündig wurden. Erst suchten wir in der Jagdabteilung nach einem Sportschützen-Pfeil, mit dem wir unsere Beute durchbohrt präsentieren konnten. Anschließend hatten wir in der Gartenabteilung eine Axt in der Hand, in der Spielzeugabteilung hätte uns beinahe das Plastikschwert überzeugt. Doch dann kam Ryan mit diesem exquisiten, in China gefertigten Set von Stahlmessern (inklusive Plastikschneidebrett) für schlappe 5 Dollar an. Gekauft! Das war uns der Spaß wert.

Sandwichjagd

Zuhause angekommen „erlegten“ wir unsere Beute ein zweites Mal und durchbohrten den Karton mit unseren Messern. Anschließend verspeisten wir die Beute roh und wild direkt von unseren Messern. Rob war derart im Blutrausch, dass er gar nicht merkte, dass er sich beim Essen auch noch selber das Kinn aufgeschnitten hatte. (siehe Bild). Das störte ihn jedoch nicht im Geringsten. Was für ein Abend – ich hatte schon lange nicht mehr solch einen Spaß!

Eindrücke vom Rest des Abends

Monday, April 10, 2006

53. Tag: dampfende Gullideckel in Denver

Downtown Denver

Heute sind wir mit dem Bus nach Denver gefahren, um uns mal ein wenig in der Innenstadt umzusehen. Denver ist eine moderne Stadt mit kühlem Chic, der sich in den Beton- und Glasfassaden der zahlreichen Wolkenkratzer wiederspiegelt – ’ne Stadt halt. Steffi und ich waren froh mal aus der liberalen Boulder-Enklave zu entkommen um „richtige“ Amerikaner zu sehen: dick und schwabbelig. Diese Freude ebbte aber schnell wieder ab und wir sehnten uns am Ende des Tages in unsere schöne heile Welt in Boulder zurück.

In der Zwischenzeit jedoch spazierten wir durch die Häuserschluchten und machten so einige Entdeckungen. Zunächst fanden wir heraus, dass die dampfenden Gullideckel, wie man sie in vielen Spielfilmen sieht, keineswegs bloß ein atmosphärisches Ingredienz a la HOLLYWOOD sind, sondern dampfende Realität. Man fühlt sich geneigt, direkt auf offener Straße ein wahres Dampfbad zu nehmen!
Faszinierend, wenn einem seine Vorurteile dermaßen ad absurdum geführt werden.

Zudem ein weiterer Fall: Weihnachten wird in Denver in manchen Hotels das ganze Jahr über gefeiert und nicht nur einen lausigen Monat, wie in Deutschland (siehe oben die Beleuchtung der Gebäude bei Nacht). Man lernt nie aus.

"Nirvana is now being served in-room"

Last but not least: Ich dachte immer, dass “Nirvana” einen Zustand bezeichnet, der die Aufhebung allen Leidens darstellt. In Denver habe ich gelernt, dass mit „Nirvana“ warme Steine gemeint sind, die einem auf den Rücken gelegt werden, wenn man sie auf sein Hotelzimmer bestellt. Ob man dann richtig „stoned“ davon wird?

Saturday, April 08, 2006

51. Tag: die Zukunft: folgt Holakratie auf Demokratie?

Brian präsentiert sein Konzept im I-I Office

Vor einigen Tagen durften wir hier an einer Mitarbeiterbesprechung im I-I teilnehmen, zu der Brian Robertson, der Gründer einer Softwarefirma eingeladen war. Brian Robertson hat einen neuen Weg gefunden, um Entscheidungsprozesse und Organisationsstrukturen derart umzugestalten, dass sie dynamischer, flexibler, integraler und letzlich auch 'transpersonaler' funktionieren können. Auf diese Weise hat er sein Unternehmen extrem erfolgreich gemacht. Nun hat er sein Wissen und seine Erfahrungen mit dem I-I geteilt. Ken ist begeistert von diesem Ansatz und auch die Mitarbeiter am I-I brennen darauf, das Ganze in die Tat umzusetzen.

Das Ganze nennt sich "Soziokratie" und nachdem Ken und Brian sich unterhalten haben "Holakratie", bzw. "holacracy". Das Kernverfahren ist ein Prozeß der Entscheidung via "consent" (Einwilligung/ Einverständnis) im Gegensatz zu "consensus" (Konsens) und die Kernstruktur holarchisch angeordnete Gremien, die systematisch die Perspektiven aller Beteiligten berücksichtigen.

Das Verfahren geht so: der Facilitator des Prozesses bringt einen Vorschlag über ein Vorgehen in einer bestimmten Sache zur Abstimmung. Jeder darf Vorschläge machen. Jeder Teilnehmer ist der Reihe nach dazu aufgefordert zu dem Vorschlag Stellung zu nehmen und alle rationalen Einwände vorzubringen, die der Sache nach dagegen sprechen könnten, weil sie "außerhalb der Grenzen der Toleranz des ganzen Systems liegen" - wie auch immer diese Grenzen im konkreten Fall aussehen mögen. Dadurch werden die verschieden objektiven (3.Person-) Sichtweisen auf die Sache ausgetauscht, so dass sich jeder ein besseres Bild von der Situation machen kann.

Persönliche Vorlieben und Abneigungen werden nicht als Begründung akzeptiert. Sie werden jedoch ernst genommen und vom Facilitator hinterfragt, weil sie oftmals Information über objektive Grenzen des Systems verbergen. Auch vage Ahnungen und Bauchgefühle werden mit Respekt behandelt und mit ihrer verborgenen Logik an die Oberfläche gebracht. Wenn keine Gründe dagegen sprechen einen Vorschlag anzunehmen, dann wird mit dieser Entscheidung weitergearbeitet, bis das System an seine Grenzen stößt. Dann wird ein neuer Vorschlag gemacht und zur Abstimmung gebracht. Entscheidungen können jederzeit neu verhandelt werden, wenn sich neue Daten und Fakten im Prozeß zeigen.

Dies ist der Unterschied zum System des Konsens, bei dem alle im Grunde zustimmen müssen (anstelle von "kein sachlich-plausibles Gegenargument wissen"), bevor eine Entscheidung gefällt werden kann: Es geht nicht darum, ob ich persönlich - quasi mein Ego- wählerisch bin und eine andere Vorliebe habe. Dieses Verfahren entzieht dem Ego das Wort und fragt nach objektiven Gründen (dritte Person Perspektive), die im Interesse aller liegen. Wer einen Konsensprozeß aus persönlichen Gründen blockieren will, der kann das tun, indem er einfach nicht zustimmt. Das geht im Verfahren der 'Einwilligung' (consent) nicht, denn es werden immer Gründe verlangt - andernfalls wird das unter "keine Einwände gegen den Vorschlag" verbucht. Hierdurch wird der Entscheidungsprozeß drastisch beschleunigt.

Soviel (bzw. wenig) zum Verfahren innerhalb einer Holakratie. Die Struktur sieht in etwa folgendermaßen aus:
Innerhalb eines Unternehmens (oder welcher Gruppe auch immer) gibt es verschiedene Kreise von Zuständigkeiten, die sich (zumindest in dieser Struktur) natürlich aus den Aufgaben ergeben, die sich ein Unternehmen stellt. Diese Arbeitsgruppen mit ihren verschiedenen Zuständigkeiten haben jeweils zwei Vertreter, die ihre Perspektive innerhalb eines holarchisch übergeordneten Kreises vertreten: zum einen ist das der Verantwortliche des Projektteams, zum anderen ein Vertreter aus dem Reihen der Mitarbeiter, der als geeignet erscheint, um die Perspektive der Arbeitsruppe in einem höheren Gremium zu vertreten. Dieser "double-link", bzw. dieses 'doppeltes Bindeglied' verknüpft die Anliegen und Perspektiven mit der nächsthöheren Ebene, in diesem Fall vielleicht das Gremium mit den Leitern und Vertretern aller Projektgruppen. Diese Gruppe hat einen Verantwortlichen, sowie einen weiteren Repräsentanten, die dann beide im Top-Circle vertreten sind. Auf diese Weise kann ein einfacher Arbeiter aus dem hierarchisch untergeordneten Kreis einen Vorschlag einbringen, der durch alle Kreise nach oben hin diskutiert werden kann (sofern keine objektiven Gründe gegen seine Umsetzung sprechen). Das ist laut Robertson auch schon in einer belgischen Firma geschehen, die dieses System übernommen hat.

wie Fahrradfahren Ein Bild das Robertson verwendet, um die Unterschiede zu konventioneller Unternehmensführung zu illustrieren ist das Bild vom Fahrradfahren. Konventionelle Unternehmen stecken sich ein Ziel in der Zukunft, versuchen den Weg dahin möglichst korrekt vorher zu sagen und arbeiten dann darauf hin mit der Befürchtung, dass es doch anders kommt als erwartet und geplant. Sie fixieren das Ziel am Horizont, versuchen den Lenker möglichst genau auszurichten und treten dann mächtig in die Pedale. Holakratie hingegen versucht zwar das Ziel im Kopf zu behalten, doch vetraut sich der Intelligenz des Prozesses an. Statt den Lenker zu arretieren fährt man mit etwas Schwanken und Schaukeln und korrigiert die Stellung des Lenkers, wann immer nötig. Man ist immer in Kontakt mit den Grenzen des Systems und Feedback wird ständig berücksichtigt und verarbeitet. Dadurch entsteht ein dynamisches Gleichgewicht ohne Anspannung und Angst, denn Fehler und Spannungen innerhalb des Systems sind lediglich Feedback und Lernerfahrung, die zur Optimierung weiterverarbeitet wird.

Bei der Entscheidungsfindung wird nicht nach der "besten" Lösung Ausschau gehalten (wer weiß schon, was das ist, denn jeder Einzelne hat seine eigene Vorstellung davon), sondern lediglich nach einer Lösung, gegen die im Moment kein sachlich berechtigter Einwand vorliegt. Auf dieser Grundlage wird dann weiter gearbeitet. Es gibt keinen Grund an vergangenen Entscheidungen festzuhalten - man kann jederzeit auf den Input der Umwelt reagieren und neue Vorschläge machen. Das macht das Ganze durchlässiger für Eros - den kreativen Impuls der Evolution, der sich als kollektive Intelligenz ausdrücken kann.

Für alle was dabei Robertson spricht von der transpersonalen Qualität der Entscheidungsprozesse, die die Beteiligten zeitweilig einen höheren Zustand jenseits des Ego erfahren lassen. Ich denke, dass das z.T. durch den Zwang die dritte-Person-Perspektive einzunehmen katalysiert wird. Die Genialität dieser Struktur, die Robertson in seiner Firma durch schmerzliche Versuch-und-Irrtum- Prozesse herausgearbeitet hat liegt unter anderem auch darin, dass sie die Werteebenen traditionell, modern und postmodern (blau, orange, grün) anspricht, die alle etwas Positives daran finden. Traditionelle Gemüter schätzen die klare Struktur und die Regeln, Modernisten die Vielfalt der Optionen und die Effektivität des Prozesses, die Postmodernisten schließlich mögen, dass jeder gehört wird und an den Entscheidungen beteiligt ist. Und second-tier (integral) sitzt da und lächelt. Genial daran ist, dass ein evolutionärer Sog geschaffen wird, der alle Individuen systematisch auf der Entwicklungsleiter nach oben zieht.

WIE Als damals die Zeitschrift „What is Enlightenment“ in einer Ausgabe über das Titelthema „kollektive Intelligenz“ berichtet hat, fand ich das Ganze zwar spannend, doch irgendetwas hat mir damals gefehlt. Auch bei dem Gedanken an integrale Politik habe ich bisher nie das fehlende Puzzlestückchen identifizieren können: die systemisch-strukturelle Dimension von second-tier. Wie sieht eine integrale Gemeinschaftsstruktur denn konkret aus? Robertsons Ansatz erscheint mir als eine gute erste Antwort und auch als gangbare und effektive Alternative auf das zunehmend defiziente System der Demokatie.

Wie Wilber in seiner in Zukunft erscheinenden Terrorismus-Trilogie schreibt, könnte eine postmoderne (grüne) Weltföderation die Bevölkerung dieses Planeten um die Hälfte dezimieren. In Wilbers Fiktion führt diese Föderation nämlich ab einem gewissen Punkt die „E-Demokratie“ ein, bei der alle Menschen elektronisch via Internet aufgefordert sind zu wählen. Schnell gewinnt dadurch der ethnozentrische Anteil der Bevölkerung (derzeit ca.70% der Weltpopulation) die Oberhand und führt repressive Strukturen ein, die einander bekriegen. Eine düstere Aussicht.

Allein deswegen scheint es mir sinnvoll Holakratie auszuprobieren – um eine Alternative in der Hinterhand zu haben…

Wer mehr wissen will, der kann sich hier ein Interview mit Brian Robertson herunterladen (auf Englisch).
http://www.ternarysoftware.com/pages/downloads/BrianRobertsonInterview2006-02-08.pdf

Ebenfalls aufschlußreich und voller Material (auch Audios) zum Download ist http://enlightenedbusiness.blogspot.com/

www.holacracy.org - offizielle Homepage über Holacracy

Wednesday, April 05, 2006

49. Tag: hanging out with Ken again

@Ken's

Am morgen fand ich eine email von Colin, mit der Frage ob wir zusammen mit Cia und Christian aus Wien zu Ken kommen wollen. Und ob wir wollten! Am frühen Nachmittag saßen wir also mal wieder bei Ken auf der Couch.

Cia kennen wir noch von den ersten Treffen von iMove. Sie studiert Medizin, steht am Ende ihrer Ausbildung und war mal kurz mit Colin zusammen. Christian Mandl ist ein Professor für Virologie aus Wien, der schon länger Ken Wilber-Fan ist und durch Cia den Kontakt zu Colin und schließlich auch Ken vermittelt bekommen hat. Er war auf der Durchreise zu einer Fachtagung in der Nähe von Denver und hat dann gleich die Chance beim Schopf gegriffen um einen Abstecher zu Ken zu machen.

Christian hat von seiner Arbeit als Virologe berichtet. Ken und er unterhielten sich daraufhin über den groben Reduktionismus, der in den Naturwissenschaften immer noch sehr stark ist und durch ein beschränktes Weltbild indirekt auch seelisch verkrüppelte Forscher hervorbringt, die Christian regelmäßig auf seinen Fachtagungen trifft. In dieser Flachland-Welt ohne Innerlichkeit, Intention oder Tiefe gibt es nur das ziellose Hasten von Atomen und Leben ist nur eine Variation von „frisky dirt“- eben überaus ‚verspielter Schmutz’. Wenn man mit einer solchen Auffassung der Welt herumläuft, dann färbt das natürlich unweigerlich irgendwann auch auf die interpersonalen und innerpsychischen Dimensionen ab.

Ken ermutigte Christian ein Buch zu schreiben, das Naturwissenschaftlern einen erweiterten Horizont vermitteln kann, in welchem ein Prozess der Evolution und der Komplexifizierung der Materie mit einer einhergehenden Vertiefung und eines Wachstums des Bewusstseins (OL und OR) zumindest mal vorkommen kann. Das Ganze soll dann ohne Transzendenz oder die höchsten Stufen der menschlichen Entwicklung auskommen, um die potentiellen Leser nicht gleich zu verschrecken.

Ferner kam die alte Frage nach dem Status eines Virus auf: ist ein Virus ein lebendiges Wesen? Ist er nur eine Anhäufung von Molekülen? Christian erläuterte, dass Viren an sich außerhalb einer Wirtszelle nicht als lebendig bezeichnet werden können

Cia fragte Ken zum Thema Existenzialismus, weil sie seit kurzem eine schwierige Zeit hinter sich hat, in der ihr die Lektüre der Existenzialisten Halt gegeben hat. Ken bestätigte, dass sich viele dieser Philosophen und Literaten bereits als reife Zentauren auf der integralen Stufe des Bewusstseins befunden haben.

Ich fragte Ken, was zur Zeit für ihn das Projekt ist, an dem er gerade arbeitet. Er holte etwas aus und gab uns einen zusammenfassenden Überblick über die kommenden drei Bände seiner ‚Terrorismus-Trilogie’ (1.400 Seiten!) – ein Werk, dass (insbesondere auch genährt durch die Verarbeitung aktueller Schlagzeilen) einfach nicht enden wollte. Jedes dieser Bücher kann angeblich für sich gelesen werden, wobei das dritte theorieschwangerer als die anderen beiden sein soll. Wer es bis dahin geschafft hat, den schreckt dann wohl das bisschen Theorie auch nicht mehr ab…

Larry Wachowski Dann kam das Gespräch auf den aktuellen Film des Regisseurs Larry Wachowski („Matrix“) mit dem Titel “Vendetta“, den Cia kurz zuvor gesehen hatte. Ken wurde von seinem Freund Larry nach New York zur Premieregala des Films eingeladen.

Matrix Wie auch die Matrix ist Vendetta ziemlich mehrdeutig und teilweise auch widersprüchlich. Das spiegelt nur die Genialität Wachowskis, dessen Story derart hyperkomplex ist, dass seinen Angaben zufolge von den Millionen von Zuschauern niemand außer Ken die von ihm intendierte Bedeutung der Matrix dechiffrieren konnte.

Vendetta Deshalb hat Ken ihm auch das Versprechen abgenommen, den Film exklusiv für den Art-Branch der Integral University Szene für Szene zu kommentieren. „Vendetta“ leidet Wilber zufolge an dieser Komplexität die einfach zuviel für den durchschnittlichen Kinobesucher ist, wodurch die Handlung zwangsweise verflacht interpretiert wird. Ken hatte das Drehbuch gelesen und Larry dieses feedback gegeben, aber Larry ist eben ein Künstler, der tun muß, was ein Künstler tun muß…

Am Ende machten wir noch eine kleine Foto-Session. Ken hat sich richtig Zeit für uns genommen. Als wir die Loft Richtung Boulder verließen, war es schon fünf Uhr nachmittags – vier Stunden später.

Ich mit Ken

Steffi, Dennis, Ken, Cia, Christian

Christian lud uns alle großzügigerweise zu dem selben Italiener ein, zu dem uns schon John einige Tage zuvor eingeladen hatte. Wir ließen dann den Abend mit Rollie im Red Hill House ausklingen, führten Gespräche über unsere christlichen Wurzeln und genossen das Knistern des Kaminfeuers.

Wednesday, March 29, 2006

47. Tag: Trail-Hiking in Lyons (mit Lions)

Hiking in Lyons

Heute wurde es uns zu bunt und wir sind einfach mal mit dem Wagen ein paar Orte weiter gefahren und haben uns einen Trail in Lyons angeschaut. Auch in Lyons gibt es alberne amerikanische Schlitten, in diesem Fall einen Hippie-Community-Bus.

GRRRR!Auf dem Trail wurde vor wilden Berglöwen gewarnt (siehe Bild oben), aber wir sind ja seit unserer Game-Night bei Emily gewappnet. Dort haben wir nämlich in einem Brettspiel mit dem Namen „Survivors“ gelernt, dass man einen wilden Löwen austricksen kann, indem man einfach eine Gesichtsmaske auf dem Hinterkopf trägt. Der Löwe wird instinktiv stets versuchen, dich von hinten anzugreifen. Dank Gesichtsmaske hast du nun kein „hinten“ mehr und das Viech zieht irgendwann entnervt ab.

Ich frage mich bloß, wo man in Gottes Namen in der Pampa eine Gesichtsmaske auftreiben soll. Das ist so ähnlich wie in diesem Witz – ebenfalls mit einem Löwen:

In der Wüste bin ich einem Löwen begegnet. – Und, was hast du dann gemacht? - Ich bin gleich in die nächste Telefonzelle und hab die Tür zugemacht. – Aber in der Wüste gibt es doch gar keine Telefonzellen! – In dem Moment war mir das alles völlig egal! (OK- im Witze-Erzählen hab ich absolut gar kein Talent, aber mit dem Aufschreiben wird es auch nicht gerade besser…)

Kurzum hat sich trotz fehlender Gesichtsmaske kein Berglöwe in unsere Nähe gewagt und somit konnten wir uns zu einem kleinen Picknick niederlassen und das atemberaubende Bergpanorama genießen.

Rundumblick beim Picknick (reim, reim...)

45. Tag: Beim Italiener mit John


Am Mittwoch Abend haben wir uns mit John, seiner Frau Pamela und Amanda, einer Freundin von beiden, beim Italiener getroffen. John hat einen klasse Humor und hat ohne Ende Witze gerissen. Wir haben viel gelacht. Wir besuchen sie dann im April in Utah. Wie es jetzt aussieht, werden uns Emily und Ryan und Ballard dabei begleiten. Da wird dann wohl endlich kein Schnee mehr rumliegen, wie am Morgen.

Monday, March 27, 2006

40.- 42. Tag: Vortrag und Sesshin mit Claude An Shin Thomas @ Naropa

Vortrag am Freitag

Unter dem Motto „Mut zur Veränderung. Zen und Friedensaktivismus“ fand am Freitag Abend an der buddhistischen Naropa-Universität ein Vortrag mit dem Zen-Meister Claude An Shin Thomas statt. Claude An Shin Thomas ist ein ehemaliger Zen-Veteran, der etliche Menschen auf dem Gewissen hat. Als er aus dem Krieg zurückkam war er ein psychisches Wrack, gewalttätig und drogenabhängig. Ein Therapeut gab ihm den Tip, doch mal zu diesem buddhistischen Retreat für Veteranen zu fahren. Da er sich geschworen hatte alles zu versuchen um wieder klar zu kommen, rang er sich dazu durch sich dort hin auf den Weg zu machen.

Als er den Raum betrat und realisierte, dass ihm ein Vietnamese gegenüber saß brach er nach eigenen Angaben in Tränen aus. Er hatte die Vietnamesen immer nur als den „Feind“ gesehen. Der Retreat wurde abgehalten von dem Zen Meister Thich Nhat Hanh. Von da an begann er den Buddhismus zu praktizieren und nahm schließlich seine Mönchsgelübde bei einem Retreat im KZ Auschwitz. Seitdem lebt er ohne feste Bleibe und ist auf Wanderschaft, hält Vorträge und hat eine Stiftung für Friedensaktivismus (www.zaltho.de) eingerichtet.

Begleitet wird er von „Ken Shin“ Wiebke, die aus Deutschland stammt. Sie ist quasi seine Assistentin und organisiert die Sesshins, die Vorträge und kümmert sich um die Stiftung. Auch sie führt ein Leben ohne feste Bleibe. Gemeinsam bitten sie regelmäßig um Unterkunft und Nahrung – ein ziemlich existenzieller Lebensstil, der einem vor Augen führt, was wirklich wichtig ist.

Eindrücke vom Sesshin

Claude An Shin Thomas ist ein beeindruckender Lehrer: äußerst entschlossen, klar, direkt und scharfsinnig. Er führt einem die eigene Verantwortung radikal vor Augen und zieht einem alle falschen Konzepte unter den Füßen weg. Zudem ist er ziemlich humorvoll und schlicht. Er stößt einen auf die Tatsache, dass Frieden im eigenen Geist anfängt und dass so viele gutgemeinte, idealistische Bestrebungen und Aktionen, die im Namen von des Friedens vollführt werden, im Grunde nur den Krieg unterstützen – den Unfrieden, dessen Wurzeln in unseren eigenen geistigen Tendenzen des Haben-wollens, des Ablehnens und der Ignoranz liegen.

O-Ton: „George Bush ist nicht das Problem.“ Die Frage ist, welches Verhältnis wir zur Gewalt einnehmen, die uns begegnet. Schlagen wir gleich zurück, oder gelingt es uns durchzuatmen und unsere konditionierten Reaktionen mit mitfühlenden Interesse zu betrachten?

„Sag mir nicht wogegen du bist, sondern wofür du bist.“ Haß und Ablehnung sind leicht zu artikulieren, doch ein alternatives Modell aufzustellen erfordert Intelligenz. Es ist egal, was die anderen tun. Die Frage ist, wie du darauf antwortest - anstatt bloß zu reagieren.


Wir haben Sitzmeditation, Essmeditation, Arbeitsmeditation und Zuhör-Meditation praktiziert. Zum Essen hat jeder Teilnehmer einen Topf mit vegetarischen Speisen mitgebracht, die dann miteinander geteilt wurden. Die Achtsamkeitsübung beim Essen bestand darin, jeden Bissen 50 mal durchzukauen. Könnt ihr ja mal zu Hause probieren – die Gier ist stärker, wetten?

Noch ein Kuriosum: neben dem Altar war ein leeres Sitzkissen aufgebaut. Darauf angesprochen, welche Bewandtnis das denn habe, sagte An Shin: „ Das ist für den Lehrer“.

Wer Claude An Shin Thomas live erleben will, der kann im Juli (vom 27.07. bis zum 30.07.2006) zum Retreat mit ihm kommen, das wir im Zen-Kreis Bremen organisieren werden.

38. Tag: Unser neues Auto



















Wow – nettes Fahrgestell!

Was für ein Gerät (, das sich da gerade auf der Motorhaube räkelt…)!

;-)

Das ist nun endlich unser neuer Wagen: ein Dodge „Neon“ mit einem sexy Riss in der Windschutzscheibe und der hier üblichen Automatik-Gangschaltung.

Den haben wir zusammen mit unserer Wohnung hier gemietet.

Geht gut ab das Teil…

Thursday, March 23, 2006

37. Tag: with John @ Pekoe’s

mit John bei Pekoe

Zwei Tage nach dem I-WISE Seminar tauchte auf einmal ein Teilnehmer im Office auf. Er hatte von einem anderen Teilnehmer erfahren, dass das I-I Office gleich um die Ecke ist und da wollte er sich spontan die smarten jungen Leute mal anschauen.
So ziemlich die einzigen, die er wieder erkannte waren Steffi und ich. Weil ohnehin gerade Mitarbeiterbesprechung war, gingen wir rüber zu Pekoes und luden ihn auf einen Tee ein.

Es stellte sich heraus, das John (Dupuy) vor zwanzig Jahren mal eine Zeit in Deutschland gelebt hat. Wir kamen nett ins Gespräch. John macht Wilderness-Therapy in Utah, d.h. er arbeitet mit Suchtpatienten und Jugendlichen und verbringt Zeit mit ihnen in der Wildnis. http://www.stillmountainwilderness.com/


Zudem experimentierte er mit Holosync, einer Methode, um dem Gehirn veränderte Hirnwellenmuster zu induzieren. Dabei werden über simple Stereokopfhörer verschiedene Töne präsentiert, wobei die eine Seite immer leicht zeitverzögert präsentiert wird. Das Gehirn versucht dann die Unterschiede „rauszurechnen“ und kommt dadurch in vertiefte Hirnwellenmuster. Zudem synchronisieren sich die Gehirnhälften, wie es aus Zuständen großen Entspannung und erhöhter Kreativität bekannt ist.




Er hat uns eine CD davon mitgegeben und Steffi und ich testen das jetzt mal aus – bis uns die Birne durchbrennt…






Ach ja, John macht außerdem noch Musik. Hier eine Kostprobe:
John Dupuy - Go Down The River

I-WISE: Sonntag

Am Sonntag ging es um die acht ökologischen Selbste, „the Eight Eco-Selves“:

Eco-Sage, unity ethos, Becomes Nature
Eco-Integralist, inclusive ethos, Perceives Nature
Eco-Holist, holistic ethos, Unites Nature
Eco-Radical, equality ethos, Saves Nature
Eco-Strategist, rational ethos, Uses Nature
Eco-Manager, stewardship ethos, Manages Nature
Eco-Warrior, heroic ethos, Conquers Nature
Eco-Guardian, romantic ethos, Respects Nature

Jedes dieser Öko-Selbste sieht die Natur aus seiner Perspektive mit seinen bestimmten Werten und muß in einem integralen Ansatz mit berücksichtigt werden.

Sehr schön fand ich auch das Integral Ecology Mantra:

Integrales Öko-Mantra

Eindrücke vom Sonntag:



Bild 1: Ollie an der Kamera; Sean Hargens; Steffi mit Mikro; Teilnehmer im Gespräch; Mittags beim Inder; Arbeitsgruppenphase; Clint am PC; Jason; Teilnehmer aller Altersklassen; Barret macht einen Zaubertrick, um die Aufmerksamkeit des Publikums wach zu halten; Steffi, Barrett, Dennis

Abends haben wir uns dann noch mit einigen Teilnehmern beim Äthiopier zum Essen getroffen.

beim Äthiopier