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Monday, February 06, 2006

Meeting Ken in his Loft in Denver



Direkt am ersten Tag nach unserer Anreise ist es dann so weit: Colin arrangiert ein Treffen mit Ken in seiner Loft in Denver für uns. Abgeholt werden wir von Corey de Vos (ebenfalls persönlicher Assistent von Ken), vor Ort auch bekannt unter dem Pseudonym „DJ Rekluse“. Auf der Fahrt unterhalten wir uns über unsere persönlichen Odysseen bis hin zum Integralen. Er hat noch was zu arbeiten und setzt uns deshalb noch für zwei Stunden in Denver aus. Wir verbringen die Zeit in einem netten Buchladen, bis er uns dann in seiner „german car“, einem schwarzen Mercedes (ein Geschenk seiner Ex-Freundin) abholt und zu Ken’s Loft hinüberfährt.

Auf dem Parkplatz treffen wir Mark (31), der am I-I arbeitet und „integral Tango“ als spirituellen Weg entwickeln möchte, und einen weiteren Gast, dem eine „Audienz“ gewährt wird: Jason , ein Mittzwanziger und Chan-Schüler aus Sydney. Das Gebäude ist eine ehemalige Mühle, die zu einem Wohnhaus umfunktioniert worden ist. Wir steigen in den Fahrstuhl, lassen die Stockwerke des ‚first-tier’ hinter uns und fahren direkt bis ganz hoch in die oberste Etage, siebter Stock. Bing. Die Stahltüren öffnen sich. Wir werden begrüßt von einem stehenden Buddha. Was für ein Film: Wir sind in der Wohnung von Ken Wilber und jeden Moment kann er um die Ecke kommen.
Die Decke ist hoch und entblößt den nackten Beton. Darunter ein stilvolles Interieur, Milchglaswände als Raumteiler, ein gusseisernes Tor umrankt den Fahrstuhl, buddhistische Symbole in jeder Ecke, Pflanzen, indirekte Beleuchtung durch Deckenfluter und Leuchtschirme, die man beim Fotografen findet. Colin sitzt an seinem Arbeitsplatz (in der Wohn- und Essecke) mit Kopfhörern an seinem Laptop und führt uns hinüber zur roten Couchecke (die berühmt-berüchtigte (-;).
Dort sitzt Ken in seinem schicken schwarzen Anzug mit weißem Hemd und befindet sich gerade in Diskussion mit vier Gästen, die sich mit ihm über das Einbringen von Meditation in das amerikanische Bildungssystem unterhalten. Als Ken uns bemerkt steht er auf, begrüßt uns per Handschlag und erfragt unsere Namen. Gegenüber der Couch stehen vier Ledersessel die wohl gewöhnlich für Zuhörer gedacht sind. Ken bittet uns als „witnesses“ das Gespräch zu verfolgen. So sitzen wir dann alle brav in einer Reihe, während Ken – nach einem kurzen Intro für uns Neulinge in das Thema des Gespräches – den roten Faden wieder aufnimmt.

Die Frage war, wie Meditation in das Bildungssystem einfließen kann und wie man das Ganze verpackt, damit es für die entsprechenden Zielgruppen ansprechend ist. Will man die Lehrer ansprechen, die, wie Ken betont, stark mit dem Burnout-Syndrom zu kämpfen haben, so sollte man nicht unbedingt Yoga-Kurse zu Fortbildung anbieten, sondern eher über die Schiene „Stressabbau“ nicht-religiös gebundene Praktiken, wie Achtsamkeitsübungen und Meditation anbieten. Entsprechend den Werteebenen muss man es dann angemessen vermarkten: „Jesus would do vipassana“ (traditionell), „Entspannung steigert die Produktivität“ (modern), oder „Meditation hilft dir, einfühlsamer zu leben“ (postmodern). Das Gespräch geht dann noch etwa eine Stunde und ist wirklich spannend. Ich (Dennis) muß mich trotzdem mehrmals innerlich kneifen, um zu begreifen, wo ich gerade bin. Der Jetlag zusammen mit diesem „Kickstart“ tut sein übriges zu dieser surrealen Situation.

Als die Gäste gehen, zieht sich Ken kurz zurück und lässt uns miteinander allein. Wir plaudern in der geräumigen Küche und genießen den Blick von hoch oben auf die Skyline von Denver. Broadways und Highways schlängeln sich um den Betonklotz, in dem wir uns befinden. Ich mache Fotos von den Räumlichkeiten und schaue mich dort um. Alles ist geschmackvoll eingerichtet, ein Rothko-Kunstdruck ziert die Betonwand, über dem gemauerten Kamin hängen ein Snowboard ein Surfboard und ein Skateboard in Reih und Glied, auf dem Kaminsims trohnt eine goldene Buddhastatue.



Ken kommt zurück und hat es sich offensichtlich bequem gemacht, trägt nun eine Jeans und ein graues Muskelshirt, setzt sich barfuß zurück in den Lederstuhl. Colin und Corey wuseln im Hintergrund herum, schreiben am Laptop in der Küche, bzw. stellen Ken immer wieder eine frische Diet-Coke hin. Mark hat es sich inzwischen auf der Couch bequem gemacht und erzählt von seinem Versuchen „integral Tango“, Tanzen in allen drei Körpern (grob, subtil, kausal) in Verbindung mit dem Big Mind Process von Genpo Roshi zu bringen. Ken gibt Hinweise und diskutiert mit ihm über technische Details. Später kommt Colin hinzu.

Jason, der asiatisch aussehende Chan-Schüler (Chan:Vorläuferschule zu Zen in China) aus Sydney bringt ein Buch von seinem Lehrer (forgot the name…) mit, das er Ken als Geschenk überreicht. Die beiden sprechen lange über diese Linie und ihre Verbreitung, sowie die integrale Ausrichtung seines Lehrers. Alles passt. Ken will ihn als Gast beim nächsten meeting des Integral Spiritual Center dabei haben.
Es folgt ein Gespräch zwischen Colin, Mark, Jason und Ken über Nuancen von Zeugen-Gewahrsein, Nicht-Dualität und permanenten Zugang zu „One Taste“. Ken stellt klar: „permanent access“ heißt nicht, dass man 24 Stunden in diesen Bewusstseinszustand zuhause ist, sondern lediglich, dass man jederzeit wieder Zugang dazu hat, wenn man bemerkt, dass man hinausgefallen ist.

Schließlich fragt er uns wo wir herkommen, was wir machen, usw. Ich beginne und nenne meine Studienfächer (Philo/Englisch/Kunst). Wir beklagen die Tendenzen innerhalb der Philosophie, die sich in ihren eigenen Denk-Schleifen verfangen und völlig den Kontakt zur Realität und zur Lebenswirklichkeit verloren haben. Ken sagt, dass man die Bücher der Philosophen vor Kant alle noch ohne besondere philosophische Vorbildung lesen und zu großem Teil auch verstehen konnte. Mit Kant hingegen sei die Philosophie zunehmend so technisch und unverständlich für Normalsterbliche geworden, dass sie zu einer eigenen Profession mit den oben genannten negativen Auswüchsen geworden ist. Deshalb mag ich Kens Arbeit, denn sie ist eine nützliche Landkarte der Realität, ein Werkzeug, um konkrete Veränderungen in der Welt anzugehen.

Dann spricht Steffi über ihr Neurobio-Studium und ihre Studie mit Langzeitmeditierenden. Ken ist begeistert darüber, dass so etwas an der Uni möglich ist und fragt, was sie danach vorhat, ob sie weiter in der Forschung bleiben, oder ob sie in die Lehre gehen will. Außerdem fragt er, was den skeptischen Techniker beim Kernspintomographen wohl am meisten überzeugt hat, dass er jetzt sogar selber über meditative Praxis nachdenkt. Steffi muss lächeln und Mark scherzt „Ohoh, Dennis, jetzt solltest du besser rausgehen… Es muss genau dieses Lächeln gewesen sein“.

Anreise

Anreise

Die Anreise war interessant. Wir haben uns beide ziemlich gefreut, waren jeweils aber wenig bis gar nicht aufgeregt wegen der Reise. Mit Baker Roshi gesprochen fühlten wir uns „already connected“ mit den Menschen hier. Es war für uns wie Nachhausekommen, Menschen zu treffen, die die selbe Sprache sprechen. Doch zurück zur Anreise. Los ging’s morgens um 6.45 mit dem Zug nach Hamburg. Bis zum Einchecken um 9.30 und dem Abflug Richtung London um 11.30 hatten wir also großzügig Zeit eingeplant. Die sollten wir dann auch brauchen, denn, wie sich beim Wiegen unserer drei Koffer herausstellte, hatten wir „satte“ zwei Kilo Übergewicht drauf, so dass die freundliche Dame von den British Airways (sehr streng) uns kurzerhand zum Umpacken der Koffer schickte. An einem anderen Schalter der BA konnten wir glücklicherweise noch einen vierten Koffer für umsonst bekommen. Er hatte leichte Beschädigungen und wäre ohnehin entsorgt worden, funktionierte allerdings noch tadellos. Happy End. Wir verteilten auch noch große Teile unseres (ebenfalls stark übergewichtigen) Handgepäcks auf den vierten Koffer, der ohnehin noch frei war – zumal man vier Gepäckstücke á 32 Kilo (+Handgepäck) einführen durfte.

Der Flug nach London war kurz und bündig. In Heathrow waren wir dann auf dem Flughafengelände ungefähr eine halbe Stunde vom Terminal 1 zum Terminal 4 unterwegs (inklusive 10 Minuten Busfahrt!). Von dort aus ging’s dann in einer komfortableren Maschine weiter Richtung Denver. Das Essen war gut, und – wie Loriot ganz richtig gesagt hat – „der Mensch ist das einzige Wesen, das im Flug eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann“. Zeitvertreib auf dem ca. neunstündigen Flug war dann u.a. ein Fernsehprogramm mit 18 Kanälen, auf denen dann Filme wie „Zorro“ und „Wallace und Gromit“ liefen. Wir sind mit der Sonne geflogen, d.h. bei Abflug in London war es 12.15 Ortszeit und bei Ankunft in Denver 16.15 Ortszeit. Unser Tag hat sich quasi dadurch um ca 9 Stunden verlängert. Die Effekte dessen (neben sich stehen, Mattheit) wirken z.T. noch bis heute nach, was aber auch durch die Höhenlage von Boulder und die dünne Luft hier bedingt sein könnte. Der Anflug war ziemlich unangenehm, spiralförmig, turbulent, mit stickiger, warmer Luft in der Kabine, schreienden Kindern und sich erbrechenden Menschen um uns herum. Auch Steffi hatte die Tüte schon griffbereit.

Am Flughafen dann erst mal die Grenzkontrolle mit obligatorischem Fingerabdruck und digitalem Passfoto. Wir wurden von einem cowboyhuttragenden Volunteer nach endlosem Schlangestehen zu unserem Schalter gewinkt, wo uns ein Grenzbeamter ernste Fragen über unseren Aufenthalt stellte. Ob wir denn in Amerika arbeiten wollten. Nein, wir doch nicht. Nur Urlaub und Freunde besuchen natürlich. Wie wir uns denn dann finanziell über Wasser halten würden. Na klar: Ersparnisse und natürlich die Eltern die jederzeit für uns einspringen würden, was allerdings der Wahrheit entsprach.

Home Sweet home

Colin empfing uns freundlich am Ausgang und lud unsere Koffer in den Jeep, der vor einiger Zeit noch Ken als Gefährt gedient hatte. Wir hatten alle Hunger und wollten gemeinsam zum Essen gehen. Wir gingen ins „Sunflower“ in Boulder mit feiner „organic cuisine“ (Bio). Colin hat uns auf Kosten des I-I bewirtet und mit der wohl coolsten Kreditkarte des Planeten bezahlt. Danach brachte er uns zu Anni Mc Quade, einer Lady, der wir zum Dank verpflichtet sind, weil sie uns unbekannterweise für die ersten zwei Wochen ihr Haus mit Bad, Küche, etc. zur Verfügung stellt, während sie auf Reisen ist, um ihren boyfriend zu besuchen. Wir teilen uns das Haus mit Jason Digges, ebenfalls ein Mitarbeiter des I-I, zuständig für die Audio- und Videoaufgaben.