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Wednesday, April 05, 2006

49. Tag: hanging out with Ken again

@Ken's

Am morgen fand ich eine email von Colin, mit der Frage ob wir zusammen mit Cia und Christian aus Wien zu Ken kommen wollen. Und ob wir wollten! Am frühen Nachmittag saßen wir also mal wieder bei Ken auf der Couch.

Cia kennen wir noch von den ersten Treffen von iMove. Sie studiert Medizin, steht am Ende ihrer Ausbildung und war mal kurz mit Colin zusammen. Christian Mandl ist ein Professor für Virologie aus Wien, der schon länger Ken Wilber-Fan ist und durch Cia den Kontakt zu Colin und schließlich auch Ken vermittelt bekommen hat. Er war auf der Durchreise zu einer Fachtagung in der Nähe von Denver und hat dann gleich die Chance beim Schopf gegriffen um einen Abstecher zu Ken zu machen.

Christian hat von seiner Arbeit als Virologe berichtet. Ken und er unterhielten sich daraufhin über den groben Reduktionismus, der in den Naturwissenschaften immer noch sehr stark ist und durch ein beschränktes Weltbild indirekt auch seelisch verkrüppelte Forscher hervorbringt, die Christian regelmäßig auf seinen Fachtagungen trifft. In dieser Flachland-Welt ohne Innerlichkeit, Intention oder Tiefe gibt es nur das ziellose Hasten von Atomen und Leben ist nur eine Variation von „frisky dirt“- eben überaus ‚verspielter Schmutz’. Wenn man mit einer solchen Auffassung der Welt herumläuft, dann färbt das natürlich unweigerlich irgendwann auch auf die interpersonalen und innerpsychischen Dimensionen ab.

Ken ermutigte Christian ein Buch zu schreiben, das Naturwissenschaftlern einen erweiterten Horizont vermitteln kann, in welchem ein Prozess der Evolution und der Komplexifizierung der Materie mit einer einhergehenden Vertiefung und eines Wachstums des Bewusstseins (OL und OR) zumindest mal vorkommen kann. Das Ganze soll dann ohne Transzendenz oder die höchsten Stufen der menschlichen Entwicklung auskommen, um die potentiellen Leser nicht gleich zu verschrecken.

Ferner kam die alte Frage nach dem Status eines Virus auf: ist ein Virus ein lebendiges Wesen? Ist er nur eine Anhäufung von Molekülen? Christian erläuterte, dass Viren an sich außerhalb einer Wirtszelle nicht als lebendig bezeichnet werden können

Cia fragte Ken zum Thema Existenzialismus, weil sie seit kurzem eine schwierige Zeit hinter sich hat, in der ihr die Lektüre der Existenzialisten Halt gegeben hat. Ken bestätigte, dass sich viele dieser Philosophen und Literaten bereits als reife Zentauren auf der integralen Stufe des Bewusstseins befunden haben.

Ich fragte Ken, was zur Zeit für ihn das Projekt ist, an dem er gerade arbeitet. Er holte etwas aus und gab uns einen zusammenfassenden Überblick über die kommenden drei Bände seiner ‚Terrorismus-Trilogie’ (1.400 Seiten!) – ein Werk, dass (insbesondere auch genährt durch die Verarbeitung aktueller Schlagzeilen) einfach nicht enden wollte. Jedes dieser Bücher kann angeblich für sich gelesen werden, wobei das dritte theorieschwangerer als die anderen beiden sein soll. Wer es bis dahin geschafft hat, den schreckt dann wohl das bisschen Theorie auch nicht mehr ab…

Larry Wachowski Dann kam das Gespräch auf den aktuellen Film des Regisseurs Larry Wachowski („Matrix“) mit dem Titel “Vendetta“, den Cia kurz zuvor gesehen hatte. Ken wurde von seinem Freund Larry nach New York zur Premieregala des Films eingeladen.

Matrix Wie auch die Matrix ist Vendetta ziemlich mehrdeutig und teilweise auch widersprüchlich. Das spiegelt nur die Genialität Wachowskis, dessen Story derart hyperkomplex ist, dass seinen Angaben zufolge von den Millionen von Zuschauern niemand außer Ken die von ihm intendierte Bedeutung der Matrix dechiffrieren konnte.

Vendetta Deshalb hat Ken ihm auch das Versprechen abgenommen, den Film exklusiv für den Art-Branch der Integral University Szene für Szene zu kommentieren. „Vendetta“ leidet Wilber zufolge an dieser Komplexität die einfach zuviel für den durchschnittlichen Kinobesucher ist, wodurch die Handlung zwangsweise verflacht interpretiert wird. Ken hatte das Drehbuch gelesen und Larry dieses feedback gegeben, aber Larry ist eben ein Künstler, der tun muß, was ein Künstler tun muß…

Am Ende machten wir noch eine kleine Foto-Session. Ken hat sich richtig Zeit für uns genommen. Als wir die Loft Richtung Boulder verließen, war es schon fünf Uhr nachmittags – vier Stunden später.

Ich mit Ken

Steffi, Dennis, Ken, Cia, Christian

Christian lud uns alle großzügigerweise zu dem selben Italiener ein, zu dem uns schon John einige Tage zuvor eingeladen hatte. Wir ließen dann den Abend mit Rollie im Red Hill House ausklingen, führten Gespräche über unsere christlichen Wurzeln und genossen das Knistern des Kaminfeuers.

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